Navigation und Service

Nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten

Eine nachhaltige Stadt- und Gemeindeentwicklung steht in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung einer Kommune. Zu den wichtigsten Zielen der Stadtentwicklungspolitik gehört daher die Sicherung und Entwicklung von Gewerbestandorten. Jenseits ihrer ökonomischen Funktion bergen bestehende Gewerbegebiete beträchtliche Potenziale für die städtebaulichen und ökologischen Entwicklungsperspektiven der Kommunen. Allerdings zeigen gerade ältere Bestandsgebiete spezifische Problemlagen, die die Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen stellen. Das ExWoSt-Forschungsfeld widmet sich vor diesem Hintergrund der nachhaltigen Weiterentwicklung von Gewerbegebieten. Dabei wird es wesentlich darauf ankommen, öffentliche und betriebliche Maßnahmen gebietsbezogen und synergieorientiert zusammenzuführen. In diesem Sinne werden städtebauliche Modellvorhaben durchgeführt. Diese haben den Zweck, Konzepte, Maßnahmen, Instrumente und Verfahren zu entwickeln, zu erproben und wissenschaftlich auszuwerten.

Projektstart: Dezember 2014

Ausgangslage

Viele Jahre konzentrierte sich die Ansiedlungspolitik der Kommunen auf die Erschließung neuer Gewerbestandorte. Diese locken mit günstiger Erschließung, bedarfsorientierten Grundstücksgrößen und -zuschnitten sowie großer Gestaltungsfreiheit auch viele Betriebe aus bestehenden, innerstädtischen Gewerbegebieten an. Gerade im verarbeitenden Gewerbe ist eine Tendenz zur Randverlagerung festzustellen. Eine stetig zunehmende Flächeninanspruchnahme an den Siedlungsrändern durch Industrie und Gewerbe ist die Folge. In vielen Ballungsräumen stoßen weitere Flächenausweisungen inzwischen auf umweltrechtliche Grenzen und gesellschaftliche Widerstände. Mit steigender Sensibilisierung für Umweltbelange, Klimawandel und Nachhaltigkeit in der Planung rücken seit einigen Jahren die Potenziale bestehender Industrie- und Gewerbegebiete verstärkt ins Blickfeld der Stadtentwicklung.

Die vorangegangene ExWoSt-Studie "Nachhaltige Entwicklung von Gewerbegebieten im Bestand" hat die Themenrelevanz und die Sinnhaftigkeit eines ExWoSt-Forschungsfeldes bestätigt sowie wesentliche Problemstellungen und Entwicklungspotenziale bestehender Gewerbegebiete analysiert. An diese Erkenntnisse knüpft das neue Forschungsfeld an, indem es mit städtebaulichen Modellvorhaben Ansätze zur Problemlösung erproben wird. Die Vorstudie hat einen Forschungs- und Entwicklungsbedarf vor allem für Gewerbegebiete identifiziert, die wesentlich in den 1960er bis 1980er Jahren ausgeprägt worden sind. Diese sind zumeist am Ende ihres ersten Entwicklungszyklus angelangt und weisen vielfältige Defizite auf. Sie standen bisher nicht im Fokus der Stadtentwicklungspolitik und zählen eher zu den "vergessenen" Stadträumen, die sich im "Schatten" stadtplanerischer Steuerung und Intervention entwickeln.

Die Ausgangssituation in diesen Gebieten ist durch komplexe Problemlagen und heterogene Akteurskonstellationen gekennzeichnet. Dazu gehören Nutzungskonflikte, Engpässe in der Flächenverfügbarkeit wie auch Leerstände bzw. Mindernutzungen, Umweltbelastungen, Modernisierungsrückstände bei Gebäuden und Anlagen, Mängel in der Freiraumgestaltung und Grünausstattung, Defizite in der Verkehrserschließung. Häufig sind solche Areale isoliert und nicht in das Stadtgefüge integriert. In manchen Gewerbegebieten kumulieren Funktionsschwächen und gestalterische Defizite in einem Maß, dass sich Gebäudeleerstände oder gar Brachflächen manifestieren.

Zugleich bringen bestehende Gewerbegebiete Defizite für eine nachhaltige Stadtentwicklung mit sich. So sind etwa Möglichkeiten für kompakte Stadtstrukturen, energetische Optimierung, Klimaanpassung, Ressourcen- und Flächeneffizienz sowie Mobilitätsverbesserungen, städtebauliche Integration und sozialen Zusammenhalt bislang nicht ausgeschöpft. Nicht zuletzt ist die Öffnung abseitiger oder geschlossener Gewerbegebiete für die Stadtgesellschaft und damit eine stadtbaukulturelle Reintegration solcher "vergessenen" Stadträume von Belang. Diese Problemlagen führen oftmals dazu, dass die Bestandsgebiete ihre Funktion und Rolle im kommunalen und regionalen Zusammenspiel der Gewerbestandorte nicht mehr angemessen erfüllen können.

Informationen zur ExWoSt-Vorstudie "Nachhaltige Entwicklung von Gewerbegebieten im Bestand": >> weitere Informationen


Ziel

Die wirtschaftlich zukunftsfähige, sozial- und umweltverträgliche Entwicklung der Gewerbegebiete hat entscheidende Bedeutung für die nachhaltige Stadtentwicklung und ist somit ein stadtentwicklungspolitisches Kernanliegen des Bundes. Für das BMUB ist es von herausragendem Erkenntnisinteresse, wie die städtebauliche Erneuerung von Gewerbegebieten über die Verbesserung stadträumlicher Bedingungen hinaus zugleich zu Umwelt- und Klimaverträglichkeit beitragen kann.

Die funktionale, energetische und gestalterische Qualifizierung bestehender Gewerbegebiete ist als Bestandteil einer integrierten und nachhaltigen Stadtentwicklung zu verstehen. Damit der Bund dem entsprechenden Erkenntnis- und Entwicklungsbedarf gerecht werden kann, führt er dieses ExWoSt-Forschungsfeld mit städtebaulichen Modellvorhaben durch. Der Zweck der Modellvorhaben besteht darin, städtebauliche und verfahrensbezogene Ansätze zu entwickeln und zu erproben. Auf dieser Grundlage sind praxisgestützte Erkenntnisse zu städtebaulichen, instrumentellen und prozessbezogenen Maßnahmen einer nachhaltigen Qualifizierung bestehender Gewerbegebiete zu gewinnen.

Auf Basis der Erkenntnisse aus den städtebaulichen Modellvorhaben sowie begleitender Recherchen zur nationalen und internationalen Städtebaupraxis sollen folgende Forschungsleitfragen beantwortet werden:

… zu Ausgangslagen, Perspektiven und Bedeutung von Gewerbegebieten

  • Wie sind die Entwicklungsperspektiven bestehender Gewerbegebiete; worin bestehen in der städtebaulichen Praxis die wesentlichen Defizite und Probleme sowie die relevanten Potenziale und Optionen für eine nachhaltige Gebietsentwicklung?
  • Welche Bedeutung haben bestehende Gewerbegebiete für die nachhaltige Entwicklung in ihrem räumlichen Umfeld, auf Ebene des Stadtteils und der gesamten Stadt bzw. Stadtregion?

… zu Handlungs- und Kooperationsansätzen

  • Welche betrieblichen, baulichen, städte- und landschaftsbaulichen, verkehrlichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen bzw. Verfahren sind geeignet, die nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten voranzutreiben?
  • Wie ist die nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten in gesamtstädtische bzw. stadtregionale Analysen, Konzepte und Strategien einzubinden?
  • Wie lassen sich die maßgeblichen Akteure für eine nachhaltige Entwicklung in Gewerbebestandsgebieten mobilisieren und für eine zielorientierte Kooperation gewinnen?
  • Welche Voraussetzungen begünstigen das Zusammenwirken der lokalen Wirtschaftsakteure? Welche Bedingungen sind für eine erfolgreiche öffentlich-private Kooperation zu schaffen? Wie sind adäquate Kooperationsformen auszugestalten?

… zu Wirkungen, Hemmnissen und Erfolgsfaktoren

  • Welchen kurz- bzw. langfristigen Nutzen haben die Unternehmen, die Kommunen und andere Betroffene von Aufwertungsstrategien im Rahmen einer nachhaltigen Weiterentwicklung von Gewerbegebieten?
  • Wie verändern sich Bewusstsein und Bereitschaft der lokalen Akteure zu einer nachhaltigen Gewerbegebietsentwicklung?
  • Worin bestehen Hemmnisse und Erfolgsbedingungen für die nachhaltige Gewerbegebietsentwicklung, und wie lassen sich die Hemmnisse überwinden bzw. Erfolgsfaktoren kreieren?

… zu Konsequenzen für die städtebauliche Praxis und Politik

  • Welche Konzepte, Maßnahmen und Verfahren sind auf andere Projekte der nachhaltigen Weiterentwicklung von Gewerbegebieten übertragbar?
  • Welche Erkenntnisse sind verallgemeinerbar? Worin bestehen die Schwerpunkte des städtebaulichen Handlungsbedarfs, welche Methoden und Instrumente sind generell für die Bewältigung der Aufgaben nachhaltiger Gewerbegebietsentwicklung geeignet
  • Welche Schlüsse lassen sich für die stadtentwicklungspolitischen Zuständigkeiten des Bundes, insbesondere für die Informationspraxis, Rechtssetzung und Förderpolitik auf den Gebieten des Städtebaus und der Stadtentwicklung ziehen?

Zusatzinformationen

  • Logo zum ExWoSt-Forschungsfeld Nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten

Kontakt

Bernd Breuer
Referat I 2 - Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2268
Mechthild Renner
Referat I 2 - Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2323